30.06.2026, Tuesday - 2026 Corellianischer Corken

Name: Corellianischer Corken

Type: Anhaenger

Mileage: ?

Built: 2026

Der Anfang und warum der Anhaenger gebaut wurde

Es fing alles an einem entspannten Maiabend mit einem Video an, dass in unserer Signal-Gruppe "Lokales Fahrradfahren" geteilt wurde.

Screenshot aus der Signal-Gruppe "Lokales Fahrradfahren" Mehrere Snapshots aus dem Video das Sperrrad zeigend.

Aktivisten der Cicloficina, im deutschsprachigen Raum auch als Bikekitchen bekannt, aus dem velencianischen Stadtteil Benimaclet, haben aus einem Absperrgitter ein Absperrrad gebaut, das dann bei Aktionen, wie der Critical Mass eingesetzt werden kann.

Wer sich fuer die Cicloficina und deren andere Selbstbauten interessiert, kann dem Instagram-Link folgen.

Die Einschaetzung aus dem Lokalen Fahrradfahren war absolut zutreffend. Mein Interesse war geweckt und ich ueberlegte, wo wir das Material dafuer bekommen und wann wir das Rad bauen koennten. Auf kleinanzeigen.de findet man schnell die passenden Gitter. Aber mit dem Preis waren wir noch nicht ganz einverstanden. Und so ruhte das Projekt erst einmal.

Ein paar Tage spaeter fand ich auf dem Weg zum IWZ ein paar Stahlrohre in der richtigen Laenge, dass man mit ihnen coole Sachen bauen kann.

Ein Haufen alter Rohre liegt an einer Hauswand zum Mitnehmen bereit.

Screenshot Signal: Bild der Rohre mit der Aufforderung sie abzuholen

Und nachdem ich unsere Signalgruppe informiert hatte, dass es da gutes Material zum Abholen gibt, fand sich tatsaechlich ziemlich schnell jemand und brachte die Rohre zum IWZ. (Danke Joern :) )

Beim IWZ lagen die Rohre dann erstmal, bis ich die Idee hatte, anstatt einem Sperrrad, einen Kork-Anhaenger zu bauen.

(Korken nennt man es, wenn bei Fahrraddemos oder Critical Masses Ordner oder Freiwillige vorfahren und die Querstrassen blockieren, so, dass der Verband ohne Stoerung durchfahren kann. Bei Demos fahren die Ordner schonmal ueber Rot, wenn die vorausfahrenden Polizeikraefte die Kreuzung gesperrt haben und loesen diese ab, bei der Critical Mass passiert das erst, wenn der Verband auch wirklich fahren darf. Waehrend bei einer Demo den Meisten klar ist, warum gesperrt wird, kommt beim Korken waehrend einer Critical Mass immer wieder die Frage auf, warum man das macht. Und die Antwort darauf ist leider enttaeuschend: Zuwenige Autofahrende kennen die Gesetze und verhalten sich entsprechend. Zum Beispiel darf nicht in einen geschlossenen Verband eingefahren werden. Da das selbst dann passiert, wenn Ordner in gelben Warnwesten und sogar Polizist*innen die Kreuzungen sperren, wird ersichtlich, warum das Korken gerade bei einer CM (Critical Mass) wichtig ist.)

Die Vorbereitung und eigentlich schon eine Menge Arbeit

Als es dann Zeit fuer den naechsten Baufreitag war, fing ich schon am Donnerstag an, das Material ins zwanzig° zu transportieren. Z.B. musste der Laengsholm vom IWZ zum zwanzig° gebracht werden.

Lange Gegenstaende von aussen an die Bordwand spannen funktioniert bei Long John-artigen Lastenraedern tatsaechlich ziemlich gut und komfortabel.

Samum mit Rohr an die Bordwand gespannt, Seitenansicht Samum mit Rohr an die Bordwand gespannt, Schraegfrontalsicht

Bei einer C.O.P.D. Sammelaktion im Maerz am Heiligenteich fanden wir, neben explosiven Dingen, auch mehrere Baken, die Bauarbeiter vor einer Ewigkeit vergessen haben. Anstatt diese ueber den EAD zu entsorgen, hoben wir diese auf, um sie evtl. bei anderen Aktion einsetzen zu koennen.

Dr. Dee beim Wiegen der Bake

In der Woche vor dem Baufreitag lagerte ich die Baken gemeinsam mit Lukas vom NABU aus dem Lager in Kranichstein aus und fuhr sie auch an jenem Donnerstag ins zwanzig°.

Am Abend dann trafen wir uns, um fuer den Baufreitag etwas vorzuarbeiten.

Chris gewann die Schlacht gegen die Baken und bereitete sie fuer die Weiterverarbeitung vor.

Chris mit den niedergestreckten Baken. Die fertigen Baken lehnen an einem Montagestaender.

Waehrend Chris die Baken bearbeitete, hefteten wir das Rahmendreieck zusammen und legten es danach auf den Laengsholm, um zu sehen, ob wir auch ordentlich arbeiteten. Danach schweissten wir das Rahmendreieck auf den Holm und richteten das Ganze auf.

Schon beeindruckend gross, auch, wenn es auf dem Photo vielleicht nicht so aussieht. Aber das zwanzig° fuehlte sich gut gefuellt an.

Rahmendreieck auf dem Laengsholm aufliegend. Holm und Rahmendreieck, Komplettansicht, Rechte Seite Rahmendreieck und Holm verbunden, im Montagestaender aufgerichtet.

Um einen Eindruck zu bekommen, wie der Bakenaufsatz mit dem Fahrgestell zusammen wirken wird, stapelten wir die Baken einfach mal neben dem Gestell.

Chris und Goto halten die Baken neben das Gestell.

Ueberzeugt von dem, was wir sahen, beschlossen wir den Abend und raeumten die Werkstatt auf.

Baufreitag

Angefangen haben wir den Baufreitag mit dem Abstandshalter, an dem die Gabeln in Position gehalten werden.

Michi faedelt die Schrauben mit Hilfe eines Akkuschraubers auf die Gewindestange auf.

Nachdem wir am Vortag die Profile des Rahmens nur zusammengeheftet und die Verbindung des Rahmendreiecks mit dem Holm nur leicht ausgefuehrt haben, war die erste Aufgabe des Abends, diese Verbindungen fertigzustellen.

Wir fingen damit an, die Ecken fertigzumachen. Einschneiden, umbiegen und dann schweissen.

Die Profile werden eingeschnitten, damit sie eumgebogen werden koennen. Die Ecken sind umgebogen. Die Ecken werden geschweisst.

Nachdem wir mit den Kanten fertig waren, haben wir noch den Holm an hinteren Ende angeschweisst und mal die Gabeln angesetzt. Die Gabeln wollten wir als Radaufnahmen verwenden, da sie schon die richtigen Abmessungen und vorgeformte Ausfallenden besassen. Zudem sollten alte Chromoly-Gabeln gut schweissbar sein.

Holm und Rahmendreieck verbunden und fertig, eingepannt in Montagestaender, Gabeln mit Montagestaendern am Rahmen angehalten.

Da es schon 22:40 Uhr war, beendeten wir die produktive Phase und fingen mit dem Aufraeumen an.

Der Sonntag der Kidical Mass - Endspurt

Am Sonntag starteten wir zum Endspurt. Wir hatten uns vorgenommen, rechtzeitig zur Kidical Mass einsatzbereit zu haben und so wurde es sportlich.

Um das noch viel spannender zu machen, entschieden wir uns, anstatt die Gabeln in das Dreieck einzusetzen, die Gabeln aussen anzusetzen. Dadurch mussten wir noch zwei Teile mehr vorbereiten, versprachen uns aber groessere Stabilitaet.

Rahmen mit angehaltener Gabel und angehefteter Verstrebung, von vorne gesehen. Detailaufnahme des Rahmens mit angehaltener Gabel und angehefteter Verstrebung, von hinten gesehen.

Die Gabeln, die wir zu liegenden Radaufnahmen umfunktionierten, mussten dann mitsamt ihres Verstrebungsprofils am Rahmen festgeschweisst werden.

Anschweissen der Radlaeufe am Gestell.

An dem Sonntag hatte auch der Foodsharing-Verein eine Veranstaltung und wir wurden spontan eingeladen, mitzuessen.

Waehrend die Foodsharingleute den Schnibbel-Schlitten aufbauten und dann mit dieser mobilen Kueche in einem Innenhof des Alten Hauptgebaeudes kochten, arbeiteten wir weiter an dem Haenger.

Irgendwann bekamen wir einen Anruf, dass das Essen fertig waere und wir gerne dazukommen koennen.

Das liessen wir uns nicht zweimal sagen und verbrachten unsere Mittagspause bei der Foodhsaring-Crew.

Schnibbel-Schlitten und Teile der Foodsharing-Crew.

Nach dem Mittagessen gings natuerlich direkt weiter. Der Anhaenger hatte noch keine Deichsel. Und ohne Deichsel kann man das Gestell nicht ziehen.

Also musste eine Deichsel organisiert werden. Da diese nicht einfach so herumliegen, mussten wir selbst eine bauen. Oder wir nahmen einfach einen Teile eines Fahrradrahmens, der passt.

Faellt bestimmt niemandem auf ...

Die Deichsel musste noch mit einer Aufnahme fuer den Weber-Deichselanschluss versehen werden. Eine Sattelstuetze bot sich perfekt an und wurde auf die kreuzfoermig eingeschnittene Deichsel gepruegelt. Wahrscheinlich haette es schon durch die Klemmkraft gehalten, ich habe die beiden Teile dann doch rundherum geschweisst.

Deichselteile im Schraubstock eingespannt, um geschweisst zu werden.

Dann ging es noch an den Schleifbock, die Deichsel vorzubereiten, dass sie an den Zentralholm angeschweisst werden kann.

Deichsel wird am Schleifbock vorbereitet, am Zentralholm angeschweisst zu werden.

Nachdem die Deichsel dann am Rahmen war, haben wir den Deichselanschluss angebracht.

Loch fuer den Deichselanschluss wird gebohrt.

Mit Deichsel und eingesetzten Raedern sieht der Anhaenger fast fertig aus.

Anhaenger fast fertig, von vorne gesehen.

Jemand aus unserer Gruppe fand seitliche, gelbe Reflektoren sehr wichtig und so fanden auch diese ihren Platz an den Anhaenger.

Detailsaufnahme der seitlichen Katzenaugen.

Dieser Jemand musste dann zur Belohnung die Schweissstellen der Gabelrohre glattschleifen.

Schweissstellen werden mit der Flex geschleift.

Nachdem wir damit durch waren, schweissten wir noch die Aufnahmen fuer den Bakentraeger an.

Bakentraeger in den Aufnahmen eingesetzt.

Der Bakentraeger ist parallel zu den vielen Schweissarbeiten am Vormittag entstanden. Leider waren wir den gesamten Sonntag nur zu zweit und konnten nicht alles mit Bildern dokumentieren :(

Nachdem wir mit den Traegeraufnahmen fertig waren, waren wir am Ende. Sowohl der Arbeiten dieses Tages, als auch mit unseer Energie. Bei 37 Grad Celsius im Schatten ist jegliche Arbeit in der Werkstatt kraftraubend. Und wir hatten noch die ganze Zeit mit heissem Stahl zu tun.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass wir die Lederschuerze erstmal zum Trocknen aufhaengen mussten.

Schweissschuerze haengt im zwanzig° am Tandempedal, um zu trocknen.

Am Ende waren wir doch ganz stolz, dass wir rechtzeitig fertig wurden. Da hatten wir auch noch Zeit fuer ein Bild.

Chris und goto stolz auf den Anhaenger.

Zusammen mit dem Lastenrad ist das Gespann beeindruckend lang.

Johansson Gunnar mit angehaengtem Correlianischen Corken

Probefahrt bei der Kidical Mass

Da am diesem Sonntag die erste Kidical Mass diesen Jahres in Darmstadt stattfand, testeten wir den Anhaenger auf der Veranstaltung.

Anfahren, nachdem eine Seitenstrasse gekorkt wurde.

Durch den breiten Radstand fuhr sich der Anhaenger sehr gut. Allerdings fiel direkt auf, dass der breite Radstand auch ziemliche Probleme mit sich bringt.

An den Teilnehmern der KM vorbeizufahren war schwierig, die Vorbeifahrt an einem Polizeimotorrad sehr eng.

Zweite Probefahrt Critical Mass

Knapp zwei Wochen nach der Kidical Mass war in Darmstadt die naechste Critical Mass. Natuerlich wollten wir den Anhaenger bei dieser Gelegenheit wieder nutzen. Pyro holte ihn beim IWZ, wo wir ihn zwischenzeitlich abgestellt hatten, ab und fuhr ihn zum Marktplatz und zog ohn die ganze CM lang.

Den ersten Kork-Einsatz bekam der Anhaenger am Cityring und drei Spuren konnten so einfach gekorkt werden.

![Pyro korkt den Cityring. Die Laenge macht sich bezahlt.]](20260710_01_cityring_korken.jpg)

Auf der Radbruecke ueber die Rheinstrasse wurde es dann ein wenig eng fuer den Anhaenger.

Es wird eng auf der Bruecke.

Fuer zwei Fahrspuren fast zu lang, hat das Korken hier gut gepasst, da die Spuren als Abbiegespuren abzweigen und daher an der Haltelinie breiter sind.

Pyro korkt zwei Spuren.

Bei der Durchfahrt der Grafenstrasse konnte man noch einmal gut sehen, dass der Anhaenger zu breit geraten ist. Wuerde mehr als ein Radfahrer neben dem Hanger fahren, wuerde es sehr eng und dann gefaehrlich werden.

Die Critical Mass in der Grafenstrasse. Der Anhaenger verbraucht fast die Haelfte der Fahrbahnbreite.

Beim Korken der B26 spaeter kam die Laenge des Haengers voll zum Einsatz. Jemand scherzte, das sei sein natuerlicher Lebensraum.

Perfektes Korken an der B26.

Kurz vorm Ende der CM gab es noch eine Kioskpause, bei der der Bakenaufsatz als Rennradhalter verwendet wurde. Das war zwar im Entwurf nicht vorgesehen, aber stellte sich als nette Zusatzfunktion heraus.

Bav hat sein Rennrad auf dem Bakenaufsatz eingehaengt.

Zu breit, es muss schmaler werden.

Nachdem wir auch bei der CM Anfang Juli festgestellt hatten, dass der Anhaenger viel zu breit ist, war unsere Aufgabe an dem Baufreitag, eine Spurverkleinerung durchzufuehren.

Wir trennten dafuer die Spitzen des Dreieckrahmens ab und trennten aus dem hinteren Profil der Dreiecksbasis jeweils 36cm links und rechts des Laengsholms ab. Damit kommen wir an die Standardbreite von regulaeren Fahrradanhaengern. Anstatt aus den Dreiecksseiten, die nach vorne fuehren, die entsprechenden Stuecke herauszurennen, bogen wir sie nach innen um, wo wir sie dann mit den nach innen gesetzten Spitzen verschweissten.

René und Cyrille am Schweissen René und Cyrille am Schweissen

Nach dem Umbau ist der Anhaenger sichtlich schnaler. Anstatt eines Rahmendreiecks aehnelt die Struktur eher einem Tannenbaum.

Umbau fertig, ohne Bakenaufsatz Detailaufnahme des hinteren Rahmenteils

Nach dem Umbau haben wir den Bakenaufsatz wieder aufgesetzt und den Anhaenger erstmal in der Fahrradgarade vom zwanzig° abgestellt.

Corellianischer Corken mit Bakenaufsatz aufgesetzt, Seitenansicht Corellianischer Corken mit Bakenaufsatz aufgesetzt, Frontansicht

Letzte Handgriffe

Die darauffolgende Woche bekam das Fahrgestell seinen Farbanstrich. Fuer die Grundierung nutzte ich eine Dose Heizkoerperlack, die uns gespendet wurde.

Fahrgestell aufgehaengt und mit erster Schicht lackiert. Fahrgestell aufgehaengt und mit zweiter Schicht lackiert.